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Planung eines eduScrum Sprints

eduScrum ist die Adaption von Scrum aus der freien Wirtschaft für die Schule. Eine kurze Einführung als Video gibt es hier. Es gibt drei Rollen. 
1. Der Lehrer ist der Product Owner, er gibt ein konkretes Lernziel mit Akzeptanzkrieterien aus. Er sorgt dafür, dass die SuSimmer in Richtung dieses Ziels arbeiten. 
2. Das eduScrum Team. Dieses besteht aus 3-5 SuS, d.h es gibt in einer Klasse ca. 5-7 eduScrum Teams. 
3. Ein*e Schüler*in pro Team ist eduScrum Master. Er oder sie versucht alle Aufgaben des Teams zu koordinieren und führt das Flip. Das Flip oder Scrum Board wird auf Flipchart geschrieben (siehe Bild).
Auf dem Flip werden die Lernziele des Product Owners festgehalten. Ich habe für die 10. Klasse zum Thema Potenzen mehrere Ziele festgelegt, die Schüler*innen sollten sich daraus eines bis drei Ziele auswählen. Folgende Ziele und Akzeptanzkriterien habe ich vorgegeben, z.b. Erreicht in einem Test mindestens 7 von 10 Punkten. Oder: Erstellt ein Lernprodukt, anhand dessen ihr euren Mitschüler*innen die Potenz- und Wurzelgesetze erklären könnt. In einer Oberstufenklasse zum Einstieg in die Stochastik, soll ein Podcast erstellt werden. D.h.also, dass ich die Kompetenzen und Standards aus den Bildungsplänen in ein konkretes Lernziel umwandle und dann auch die Kriterien der Bewertung festlege. Gut dafür zu nutzen ist diese Übersicht.

Damit die SuS das Ziel erreichen können, habe ich Ihnen für Ihren Sprint drei Wochen Zeit (also 9 Stunden + HA) eingeplant. Am Ende eines Sprint steht die Sprint Review an. Die Schüler sollen mir dann zeigen, dass sie die Lernziele innerhalb der Kriterien erfüllen. Wenn die Teams es geschafft haben, können sie zum nächsten Sprint voranschreiten und somit auch im Bildungsplan. Sollte es nicht erreicht sein, bekommt das Team nochmal eine Woche, um ihre Arbeit zu verbessern und das Lernziel zu erreichen und die Kriterien zu erfüllen. Danach soll die Sprint Retro erfolgen. Die eduScrum Teams reflektieren ihre Arbeit nach der ADKI Methode. 
Add: Was wollen wir beim nächsten Sprint hinzufügen? 
Dismiss: Was lassen wir beim nächsten Mal weg? 
Keep: Was wollen wir beibehalten? 
Improve: Was wollen wir an unserer Arbeit verbessern? 

Nun zur Arbeit zu Beginn des Sprints. Die SuS in den Teams haben 45 bis 90 Zeit zu planen, wie sie die Lernziele erreichen wollen. Dazu bekommen sie ein Skript von mir, auf dem sie Buchseitenangaben, Lernvideos, links zu Erklärungen im Internet und digitalen und „analogen“ Arbeitsblättern finden. Dieses Material habe ich auf einem Blog mit der App Seesaw zusammengetragen, so dass die SuS darauf mit ihren Smartphones und den iPads der Schule Zugriff darauf haben. Nun überlegen die SuS sich welche Erklärungen Sie lesen müssen, welche Aufgaben sie bearbeiten wollen oder welches Quiz oder Lernspiel sie machen wollen, um das Lernziel zu erreichen. Alle Aufgaben schreiben Sie auf Post-its und kleben sie in ihre to-Do-Liste auf dem Flip (siehe Fotos). Darüber hinaus legt jedes Team fest, woran sie erkennen können, wann sie mit ihrer Arbeit fertig sind (Definition of Done). Weiter legen sie auch Regeln zum Umgang  miteinander fest, damit jedes Teammitglied mit Spaß und ohne Streit lernen kann (Definition of Fun).

Elemente, wie das Planning Poker (Einschätzung des Aufwands einer Aufgabe) oder das Burn-Down-Chart (Visualisierung des Fortschritts) habe ich erstmal weggelassen. 
Der Unterricht der nächsten Stunde folgt einem immer gleichen Ablauf. 
1. Stand Up: Die Teams kleben ihre Flips an die Wände und stellen sich davor, um festzulegen, was sie heute bearbeiten oder was eventuell schon fertig gestellt ist. Die Aufgabenpost-its verschieben sie entsprechend in die Spalten auf dem Flip. 
2. Arbeit im Team: Die Gruppen arbeiten an ihren Aufgaben. Ob sie das am Tisch im Liegen oder außerhalb des Klassenraums machen ist ihnen selbst überlassen. Bei mir wollten alle im gleichen Raum bleiben. Auch die Hilfsmittel, Taschenrechner, Smartphone, iPads etc. können sie jeder Zeit nutzen. Meine Aufgabe besteht darin, den Teams weiteres Material zu suchen, auszudrucken oder auch bei Fragen zu helfen. Ansonsten arbeiten die Teams selbstständig und sollen auch bei Problemen zunächst auf ihr Team als Unterstützung zurückgreifen.
3. Ende der Stunde mit TIL-Storm: Die Idee stammt von Jöran Muuß-Merholz. Am Ende schreibt jede*r SuS seine Erkenntnisse (Things I’ve learned) auf eine Karte und klebt sie an die Wand. Dadurch entsteht eine Übersicht darüber, was die SuS Neues gelernt haben, welche Erkenntnisse sie gewonnen haben.
Ich werde die Sprints und eduScrum demnächst mit den SuS auswerten und in meinem Blog die Ergebnisse präsentieren. Bleibt also gespannt und schaut immer mal wieder nach. Gerne könnt ihr auch einen Kommentar verfassen. 
Ergebnis eines TIL-Storms

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Kommentare: 5
  • #1

    Alexander (Sonntag, 25 August 2019 20:19)

    Sehr gut erklärt, das senkt die Hürde, es selbst mal zu versuchen. Interessant wäre das sicher auch für Sprachen. Danke für den Impuls, ich plane es ein!

  • #2

    Sebastian (Sonntag, 09 Februar 2020 12:43)

    Danke für das Teilen deiner Erfahrungen. Ich finde es sehr schwer über die allgemeinen EDUScrum-Guides das Konzept zu verstehen. Dein Bericht ist sehr klar und eine große Hilfe.

  • #3

    Daniela (Montag, 03 August 2020 14:16)

    Tolle Erklärungen, danke dafür. Mir schwirrt die Idee von eduScrum schon länger im Kopf herum. Jetzt werde ich es starten.
    Eine Frage hätte ich noch: wie hast du die Teams eingeteilt? Werden die bei jedem Sprint neu gemischt oder bleiben die konstant zusammen?

  • #4

    Tim (Montag, 03 August 2020 15:27)

    Antwort auf Daniela:

    Ich habe mittlerweile eine Eigenschaftsblatt von Alisa Stolze bekommen. Damit schätzen sich die SuS selbst ein. Danach können sie dann die Teams selbst zusammenstellen.

  • #5

    Marco (Dienstag, 08 September 2020 22:03)

    Danke für den Beitrag. Wie hast du SCRUM bei den Schüler*innen eingeführt?